Meine "Hercules
Story"
Bisher hatte ich Spaß an
zweimotorigen Modellen. Nach dem Besitz von bereits 3
Transall-Modellen sticht mich der
Hafer und
ich würde nur zu gerne eine Hercules bauen und fliegen.
Das Angebot eines derartigen Bausatzes kann man
in unseren Landen als nahezu unwahrscheinlich annehmen, doch Schweighofer
macht's möglich. Der Sound von 4 Stück
4ccm-Zweitaktern, letzendlich wurden es dann doch 5,2 ccm-Motoren, stellen eine
Herausforderung dar. Und das
nicht nur vom Handling sondern auch
vom Preis. -
Jetzt ist es so weit, der Karton ist eingelangt und ich beginne mit
dem Bau des Modells, einem
Modell der anderen Art wie sich zeigen wird.....
Zum Bausatz: Der Baukasten besteht aus
einem Rumpf der aus einem Gerippe mit Sperrholzspanten aufgebaut und mit
Kohlefaserstäben verstärkt ist. Neckisch ist die
Umhüllung des Gerippes, welches nur mit einem
elastischen geformten
Kunststoffschalen mit
Oberflächendetails (elastisch wie Plastikdickfolie) überzogen
ist. Der Stoß an Ober- und
Unterseite des Rumpfes ist
nur bedingt schön, aber es ist klar, dieses Modell wird
nie ein Scale-Modell werden. Die
Flächen sind in herkömmlicher Holzbauweise aufgebaut und
mit Folie bespannt. Die Motorgondeln sind einzeln am
Flügel
montiert
und nur mit je einer Schraube am Flügel befestigt. Also
auch etwas gänzlich ungewohnt Neues, aber zweifellos
praktisch für den Flugbetrieb.
Die Entstehung einer C130 - Hercules
von ASM:
Nachdem der Motoreneinbau eine der "spannendsten"
Arbeiten beim Modellbau von Mehrmotorigen darstellt, begann
ich gleich mit
einer "Serienfertigung" der 4 Motorgondeln.-
Bei den Motoren mussten zuvor die
Kücken abgedreht und
die Gashebel
umgekehrt montiert werden und mit einer Lehre auf jedem Motor
in gleicher Stellung montiert werden.
Servos mit angepriesener Stellgenauigkeit wurden
beschafft und die vier mit den weitestgehend gleichen
Ruderwegen
ausgesucht. Danach ging's tatsächlich an den Motoreinbau
.....
Allerdings stellt sich der Einbau der
Motorträger und erst recht der Motoren als Geduldspiel
dar, da die Motoren durch
die Serviceöffnung auf der
Unterseite der Motorgondel, - zwar ebenfalls für den Betrieb
praktisch, aber für den Einbau
samt Justierung ein
kleiner Horror -, eingefädelt werden müssen. Die
notwendigen Justierarbeiten am Motor und Tank
und Servos sind auf
diese Weise natürlich im Betrieb dann leicht möglich.
Leider muss man den Sturz und die Einbautiefe des Motors
bei jeder Motorgondel separat messen da die Gondeln sehr
ungenau gefertigt sind. Meine
Serienfertigung bei der Bearbeitung der Motorträger
bezüglich Sturz und
Befestigungslöcher war nutzlos, da
die anderen 3 Gondeln alle anders als die erste waren! -
Bei Motor 1 musste ich
2 mm am Motorflansch beilegen,
damit die Mitte des Spinners mit der Kontur der
Motorgondel korrespondiert. Bei Motor
Nr 3 sogar 3mm; ein
Verschieben der Motorträger war nicht möglich. - Selbst
beim Servoeinbau in die zwei mittleren
Gondeln musste
die Servobefestigung abgefräst werden, damit der
Servoarm im Gondelbereich nicht an Flügelunterseite
streift. - Und so ging das bei jeder
Motorgondel weiter, immer wieder Überraschungen weil
etwas nicht passte.
Da die Auspufftöpfe außerhalb der Gondeln liegen
benötige ich 10mm Zwischenflanschen, die ich natürlich
selber fräsen
muss(te). Zum Glück gab's 10 x 10 mm Alustangen zu
kaufen und ersparte mir weitere Frässtunden mit meiner
uralten
UNIMAT 3. Damit die Auspufftöpfe das Modell später optisch nicht so stören, habe ich sie in
Modellfarbe weiß gespritzt.
Störend sind auch die auf der Flügelaußenseite
aufliegenden Servos für alle Ruder am Modell; es wäre reichlich Platz in
der
Flügeldicke usw. vorhanden. Aber auch hier scheint der
Konstrukteur der besseren Zugänglichkeit halber, diesen
optischen Minuspunkt an den Flügelunterseiten der
Betriebssicherheit zu opfern.
Leider hat der Konstrukteur doch auch Fehler gemacht,
indem er a) für das Modell ein vollsymmetrisches Profil
auf der
Tragfläche! und am Höhenleitwerk verwendet,
wobei er b) 5,5 Grad Einstellwinkeldifferenz vorgegeben
hat und ..., die
Motorzugachsen pervers um ca. 10 Grad !
nach unten gerichtet hat. - Es konnte, meiner
Einschätzung nach, wegen
dem
vollsymmetrischen Tragflächenprofils auch nicht anders
kommen, dass es zu kritischem Strömungsabriss kommen
musste und
die Flieger schon beim Erstflug geerdet worden sind. Das
alles kann man aus dem RCU-Forum C 130
herauslesen.
Der Baufortschritt bringt mich wieder weiter und ich
muss nun klären, wie das mit den im Forum beschriebenen
miesen
Flugverhalten wirklich ist. Denn, sieht man sich
die Flüge an, bzw. die Abstürze, dann erkennt man eine
Tendenz zum
plötzlichen Abreißen der Strömung und
nachfolgend einen nicht mehr zu beendenden
Spiralsturz. Die Experten rätseln
....... für mich sind
die Hinweise doch sehr aufschlussreich und helfen mit
Fehler nicht zu machen oder Dinge doch zu
beachten, an
die bisher kein Gedanke verloren wurde.
Von dem amerikanischen Produzenten sind keine Antworten
auf diese offenen Fragen zu bekommen; er ist weder über
Telefon noch über
E-Mail erreichbar.
Nun, auf den Startcrash kann ich verzichten und daher
überlegte ich .... und entschied mich dann dazu, einen
B
ekannten, Hr. Oskar Czepa, ein Aerodynamik-Experte
höchster Klasse, ihn um seinen Rat und seine Ansicht zu
den
Modelldaten zu bitten. Sein Kurzbericht: EWD soll
ca. 1 Grad sein. Allerdings wozu ein derart grässlicher
Motorzug
vorgesehen worden ist, konnte auch er nicht
erklären. Nachdem ich Hr. Czepa aus Erfahrung glauben
darf, habe ich
nach seinen Darstellungen die EWD nun auf
1,5 Grad reduziert. Jetzt wirkt das nicht mehr bündig
zum Rumpf
abschließende Höhenleitwerk natürlich optisch
als großer Störfaktor. Gut, nach einem eventuell
erfolgreichen Erstflug
kann ich ja mal nachdenken wie
ich die Plastikhaut des Modelles an die geänderte Kontur
anpassen kann.
Auch bei den Motorgondeln muss ich nacharbeiten. Das
geniale Befestigungsprinzip lässt das relativ einfach
zu: Eine
20x30 Kiefernleiste wird zwischen die
Flügeloberfläche und dem Tragbrettchen in der
Motorgondel eingebaut und die
Gondel somit auf den
Motorzug von 1 - 2 Grad nach unten eingestellt. Dann
passen nämlich auch optisch viele Dinge
wieder am Modell
zusammen. Wie sich die Änderungen beim Flug darstellen
werden ? - Auch bei der Transall, der B25
usw, sind die
Verhältnisse normal und die Dinger fliegen problemlos.
Der Weiterbau wird also durch die Nachjustierungen etwas
verlangsamt, aber das Bauchgefühl wird dadurch viel
besser.
Also wurde inzwischen das original für das Modell
erhältliche (teure 360.- Euro) pneumatische
Einziehfahrwerk in den
Rumpf eingebaut. Sehen sie dazu
auch die Bilder. - Das Hauptfahrwerk wird über
eine Blattfeder abgefedert. Im
Internetforum war zu
lesen, dass die hier zahlreich erforderlichen T-Stücke
der Druckluftleitungen durch ordentliche zu
ersetzen
sind, denn die Originalteile sind meist undicht. Bei
einigen Modellen waren die Schweißstellen der
Blattfedern
schlecht und bei der Landung brachen sie
dramatisch. Bei Meinem Bausatz sieht alles gut aus,
hoffentlich trügt der
Schein nicht.
Um nichts zur Verhinderung eines Absturzes
zu unterlassen, habe ich mich an einen
Aerodynamik-Spezialisten, Hr.
Oskar Czepa, gewandt und
ihm die Flugzeugdaten übermittelt. Seine Schlüsse sind
niederschmetternd! Alleine die
Darstellung, dass im
Horizontalflug bei der hohen EWD der der Tragflügel nach
außen bereits mit abgerissenen Strömung
fliegt. Jede
Kurve mit gezogenem Höhenruder kann das Abkippen
auslösen. Seine Tipps: EWD auf 1,5 Grad reduzieren
und den
irren Motorzug von 10 Grad abwärts, deutlich verringern;
warum der Zug so gewählt wurde ist auch ihm nicht
nachvollziehbar.
Einiges vom Flugbetrieb:
So, nach allem von oben nun noch
etwas zur "reliability" (Betriebssicherheit) und zum
Flugbetrieb. Die Betriebssicherheit
trägt einen
entscheidenden Beitrag zur Lebensdauer eines Modelles
bei. Bei einem Abfluggewicht von 9,75 kg ist das
wichtig.
Es ist aber nicht so einfach (wie man es gerne hätte), vier Motoren exakt zu regeln, sodass in jeder Gasknüppelstellung
nahezu die gleiche
Drehzahl vorliegt. Nun ich habe das nach den Anweisungen
des Herstellers gemacht und das mit
einem gewissen Erfolg.
Grundsätzlich musste ich zwei Motorgruppen einrichten,
die Motoren außen bzw. innen.
Nachdem ich nicht jeden
Motor mangels Einstellreglern gesondert regeln kann,
mussten also immer zwei einer Gruppe an
ein V-Kabel
angeschlossen werden. Am Sender der MC 24 mussten zwei
Schalter montiert werden, mit denen die
Mischer
geschaltet werden konnten. Dies ist im Falle eines in
der Luft abgestorbenen Motors günstig, da man die
Motorgruppe vom Gasknüppel wegschalten und auf Leerlauf
stellen kann. Leerlauf stört nicht, hingegen ein
stehender
Propeller sehr.
Um möglichst viele Fehler von vornherein auszuschließen,
besorgte ich angepriesener Weise vier als stellgenau
bezeichnete GR-Servos und stellte bei jedem Motor das
Gaskücken mit einer Lehre ein, sodass bei den Wegen und
dem
Öffnungswinkel der Motoren alles gleich ist. -
Dennoch liefen die Motoren vor allem im Leerlauf nicht
alle gleich schnell,
sodass ich die Feineinstellung mit
der Längenänderung des Gasgestänges ausgleichen musste.
Hierbei lernte ich die
Konstruktion mit den abnehmbaren
Motorgondeln zu schätzen.
Endlich nach mehreren Stunden Einstelllauf ergab sich
eine brauchbare Einstellung. Ungünstig festzustellen war
aber,
dass die Motoren doch noch sehr empfindlich auf
Temperaturunterschiede reagieren, nämlich dass man die
Hauptdüse
verstellen muss. Dummer Weise wirkt sich das
auf den Übergang aus, was bedeutet, dass ein Motor
spontan, der
andere aber zB. fetter reagiert und
langsamer hochdreht. Alles kein wirkliches Problem,
solange er sich nicht dabei
verschluckt.- Damit nur ja
kein Motor ausgeht, baute ich auch eine
Glühkerzenheizung (Microsens Glow 2 LP +=mit
zusätzlicher Stromstärke) ein. Allerdings die kann einen
abgestorbenen Motor nicht wieder anstarten. Dennoch
erhöht
sie die Motorlaufsicherheit ganz entscheidend. -
Eine feine Sache: Glühung ein und Starter an den Motor
und der läuft
an.
Für die
Inbetriebnahme des Modells, bedarf es einer
Checkliste, bei der die
einzelnen Schritte beschrieben und genau
abzuarbeiten
sind. Damit ist weitgehend Sicherheit gegeben, dass
kaum mehr Dinge vergessen werden können.
Allerdings wäre
hier ein Helfer notwendig, der die Einhaltung der Liste
überwacht und mithilft. So auch die Startprozedur
mit
der Nachjustierung der Motor-Hauptdüsen. Nach der
Prozedur geht's ab auf die Piste.
Der Start verlief sehr Naturgetreu und trotz Seitenwind
fast von alleine; vielleicht glich den der Kreisel für
das
Seitenruder den Abtrieb aus? Auch die Querlage war
gut und kaum etwas zu trimmen. Aber ich muss falls es
nochmals
dazu kommen sollte, die Expo-Funktion ändern
und den Prozentsatz verringern. Beim Höhenruder konnte
ich bereits
beim selbsttätigen Abheben, dass ich etwas
Tiefenruder benötige. Rückschluss: der Schwerpunkt muss
nach vor. Der
Flug wurde von mir anfangs sehr weiträumig
geführt und erst später drosselte ich die Motoren
hörbar herunter (8000)
was eine
Verlangsamung der Fluggeschwindigkeit ergab. Aber auch
hier keine Tendenz abzukippen. Allerdings für einen
Scale-Flugstil müsste es noch viel langsamer sein.
Die Problematik des großen Modells (Spannweite 2,54m)
und des weiträumigen Flugstils zeigte sich dann beim
Landeanflug. Vermeintlich schon vor den Bäumen bei Fa.
KWIZDA , krachte dann doch das Modell knapp seitlich in
eine
Pappel und hing dort. So weit ersichtlich
war der Rumpf ziemlich ganz geblieben, wobei ich
natürlich trotzdem mit
erheblichen Schäden
rechen musste.
Nun, das vom Baum geborgene
Modell ist jetzt genau das, was mir eigentlich sehr viel Spaß macht: Ein
zerstörtes
Modell das in vielen Bereichen intensive, tiefgreifende und herausfordernde Reparaturen benötigt.
Einzig die Technik ist
praktisch unbeschädigt geblieben,
sieht man von einer gebrochenen Düsenstockhalterung bei
einem Motor ab. - Das
doch jähe Ende der Coast Guard
Maschine wird später, in der Pension, zum Neubeginn der Hercules des
österreichischen Bundesheeres werden, - wie gesagt, wenn ich dann in
Pension bin.
Jetzt sollte ein Satz Ersatzflächen ausreichen das
Modell zu reparieren, doch kosten die Flächen fast zwei
Drittel des
Neupreises eines Komplettbausatzes. Daher
schraube ich die Motorgondeln von Nr 1 auf die
Flächen des zweiten
Bausatzes und
ersparte mir vorerst Arbeit. Die Motorgondeln der Nr 2 kann ich
dann für die allfällige Bundesheermaschine verwenden oder werde meine OS 40 FS
einbauen, das würde dann weniger flottes Fliegen
bedeuten und eher realistisches Motorengeräusch.
Letzter
Flug: 25.08.2007
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