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   Reparatur eines antiken Kleinbahn Motors und dem Fahrgestell der Lok
 

 Nachdem Lokomotiven nach langer Lagerung oder seltenem Gebrauch, immer wieder einer Wartung 
 oder einer Reparatur bedürfen, soll hier dokumentiert werden, was beim Motor einer Kleinbahn Lok
 D110 (BR 24 046) alles zu reparieren war. Am Bild links dürfte die Ur-D110 zu sehen sein, Daneben
 schon eine neuere (modifizierte?)Version, die offenbar bereits auf Räder und Steuerung der später auf
 den Markt gekommenen BR 80 umgerüstet zu sein scheint. Das mir zuletzt zugegangene und zu repa
 rierende Modell der Lok weist andere Räder und eine andere, feinere Steuerung auf.
 
                           
         
D 110 die erste Version?                                         D 110 einbe späte Version                                          D 110 repariert     Fahrvideo
 
 Der Grund zur Reparatur entstand, weil die Lok (angeblich 1952) nicht mehr anfuhr, wie der Besitzer
 Wolfgang feststellte. Er fand mich via Internet und kam zu mir, ob ich vielleicht sein Problem lösen
 könnte. Mein Hinweis, dass ich kein Superexperte bin und nur für mich experimentelle Reparaturen durch-
 führe und keine Garantie für einen Erfolg besteht, konnten Wolfgang nicht abhalten, mir den Motor zu über-
 geben. .Im Vorfeld versuchte ein Bekannter, andere seiner Loks mobil zu machen, doch an dem überge-
 benen Motor und stellte er fest, dass das vordere Lagerschild Risse aufweist. Er vermutete, dass das
 Lager zu viel Spiel hat und die Probleme schafft, er das jedoch nicht reparieren könne. So gelangte der
 saubere alte Motor zu mir.

 Nachdem ich die Rissbildung sah, erinnerte mich das an Risse und Verformungen an Teilen meiner
 Liliput Loks und den letztproduzierten Lokfahrgestellen von Klein-Modellnahn und Kleinbahn. DIe Risse
 haben die Ursache in schlechter Gussmaterialqualität.
 Mir gelang es in vielen Fällen, sogar gebrochene Gussteile an motoren und Fahrgestellen mit UHU Plus
 Endfest zu kleben und weitere Rissbildungen oder ein Auseinanderbrechen damit zu stoppen. In manchen
 Fällen  wo dazu die räumliche Möglichkeit bestand, wurden die oft kleinen Bruchstellen mit Beryllium Blech-
 teilen "verstärkt". Diese Methode würde aus meiner Sicht die beim vorliegenden Motor ohnedies nicht sehr
 ausgeprägten Rissbildungen längerfristig beenden können. Störend dabei ist, dass durch die aufgeharzten
 Berylliumstreifen der Motor sein originales Aussehen verloren geht. Doch laufen wird er mit den Metall-
 bandagen auch weiterhin können und die Lok wieder antreiben. Am Motor liegt der Fehler nicht!

 Die Reparatur begann mit dem Zerlegen des Motors. Ungewöhnlich ist der defekte Lagerschild alleine
 schon durch die ausgefallene Anordnung der Schleifkohlen. Hier sind die Kohlen nur kollektorseitig aus-
 tauschbar. Man muss also das Lagerschild vom Stator losschrauben und nach vorne ausziehen.
 Am Besten geht das, indem man den Anker samt dem Lagerschild aus dem Magnetlager herauszieht.
 Danach muss man  beim Abziehen des Lagerschildes über die Schneckenwelle langsam vorgehen, damit
 die Schleifkohlen und deren Federn nicht davonfliegen!

 Am Lagerschild wurde der Schmiereprfropofen entfernt und es danach mit Waschbenzin entfettet. Nun
 war die Zeit der Beryllium Blechteile da, die entsprechend der verstärkenden Wirkung vorzubereiten waren
 Im ersten Klebevorgang wurde die untere Kohlenhalterung mit dem Klebeharz bestrichen und das Blechteil
 aufgeschoben und mit einer Klammer angepresst. Mit kurzer Wärmezufuhr war beabsichtigt, dass das Harz
 tiefer in die Risse eindringen kann. Danach blieb das Lagerschild bis zum nächsten Tag (24 Std. für  die
 Aushärtung zur Endfestigkeit) liegen. Im nächsten Arbeitsschritt wurden die Rise bei den Kohlenhalterungen
 mit kleinen Bechverstärkungen versehen und zuletzt die Risse auf einer Längsseite verstärkt.
 Nach dem Aushärten und einer Reinigung wurde versucht, den Motior zusammen zu bauen. Dabei stellte
 sich der Einbau der Schleifkohlen als geduldfordernd heraus. Anfangs wurden die  Kohlen mit einem Pa-
 pierstreifen in deren Fürhungen gehalten, die nach dem Einschieben des Lagerschildes seitlich herausge-
 zogen werden konnten.

 Die ersten 12V-Probeläufe mit nur an den leicht geöltenLagerstellen der Ankerwelle waren zufriedenstel-
 lend. Nach 5 Mituten Laufzeit wurde am Schmierprfropfen ein Tropfen Märklin Öl aufgebracht, was bald
 danach zur Verlangsamung der Motordrehzahl führte. Bei Umpolung war die Drehzahl noch etas niedriger
 geworden, was zuletzt darin endete, dass der Motor bei dieser Drehrichtung mit 12V nicht mehr anlief.
 Das Motorverhalten weist daruf hin, dass zu viel Öl nachteilig ist, da es durch das Lager zu den Schleif-
 kohlen und auf den Kollekter gelangt, was diesen verschmutzt und dort teiweise isolierend wirkt. Nach der
 Demontage des Lagerschildes wurde alles entfettet und neu wieder zusammengebaut. Der Motor lief
 wieder gut, aber nach 10 Minuten Laufzeit wurde erwieder langsam und unwillig nach Abschaltung in der
 ungünstigeren Laufrichtung anzulaufen. Klar war inzwischen, dass es nicht ursächlich mit dem Wellenlager
 zu tun hat.

 Das Anlaufproblem entstand bei den Schleifkohlen, die durch Abnützung bei Drehrichtungswechsel kippen
 und das zu anderer Auflage am Kollektor führt, wodurch Kontaktprobleme entstanden. Die Schleifkohlen
 wurden durch bauartgleiche neue ausgetauscht. Danach war der Laufrichtungswechsel nicht mehr proble-
 matisch, doch das Anlaufen in einer Richtung haperte noch immer. Es wurde klar, dass der Anpressdruck
 der Schleifkohlen ein wesentlicher Faktor ist. Daher wurde die noch original erscheindende Feder gering
 gedehnt. Nun dürfte die Lösung gefunden sein, denn der Motor läuft jetzt schön und läuft beim Drehrich-
 tungswechsel immer gut an.
 Ein langer Lauf in beiden Drehrichtungen des Motors verlief nun zufriedenstellend und sollte die Lok wieder
 zum Leben erwecken können. Wichtig ist, dass beim Lager am vorderen Lagerschild nur wenig Öl einge-
 träufelt werden sollte. Es scheint besser, an der Austrittststelle der Ankerwelle aus dem Lagerschild ein
 wenig Öl aufzubringen.

 Nach meiner "Behandlung" des Motors und speziell bei den Federn der Schleifkohlen, denke ich, dass
 früher schon mal daran "gearbeitet" worden sein dürfte. Ich bin auch nicht sicher ob die Halterung der obe-
 ren Schleifkohle (Graphitkohle) in der derzeitigen Form originalgetreu ist. Ich hätte dort den Tausch der
 sich stärker abnützenden Kohle durch Herausnehmen der Feder und der Kohle ermöglicht, was einen
 speziellen Verschluss erfordern würde. - Doch es geht auch wie bisher!

 Es zeigt sich erst beim Einsatz in der Lok, ob der Motor nun zufriedenstellend durchläuft. Das ist nach
 meiner Erfahrung immer ein Problem bei den alten Kleinbahn Loks, wenn sie nicht oft gefahren werden.
 Ölen ist ein Problem und sollte nur erfolgen, wenn es beim Motor zu quietschen betginnt. Meist liegt es
 bei Anfahrproblemen am Auflagedruck und dem Kontakt an den Schleifkohlen, wobei in diesen Fällen
 Öl die Sache deutlich verschlechtert. Die Kohlen bleiben durch den feinen Abrieb und Öl, in den Führun-
 gen kleben und verlieren daher den guten Kontakt zum Kollektor.

 Die Bitte des Besitzers, den Motor in der Lok einzubauen verlief mit Überraschungen, die unter dem
 Bilderblock beschrieben werden. Sein Bekannter hatte auch das Fahrwerk bearbeitet und ich denke,
 dabei hat er durch seine "Reinigung" für ihn schwer lösbare Schwierigkeiten vorgefunden.

  
Rissbildung am Lagerteil       
       
       

 
Lagerschild demontiert Hilfsblech zur Lagerschildmontage     
 
 Auftretende Schwierigkeiten beim Einbau des Motors 

 Vorweg ist zu sagen, dass ich kein Wunderreparirer bin, doch dass ich versuchen möchte, die Loko-
 motive wieder zum Fahren zu bringen. Ob alles danach wie neu sein wird, nehme ich nicht an, denn
 wenn einmal die Räder von den Achsen genommen wurden, tauchen erfahrungsgemäß Probleme
 beim neu Aufpressen auf. Weiters ist die Einstellung des Zahnspiels des Motors heikel einzustufen.

 Das vom Besitzer Wolfgang beigebrachte Lok Fahrgestell sah sehr gut gesäubert aus. Angeblich war
 es von seinem Bekannten sandgestrahlt worden. Ein Problem war bei dem Sandstrahler aufgetreten,
 denn er hat die auf Kunststoffbuchsen befestigten Räder abgenommen. Damit entsteht ein erhebliches
 Problem, denn die über 70 Jahre alten Buchsen sind hart geworden, was beim Aufpressen der Räder
 zu einem lockeren Sitz führt. Daher hat der Bekannte offenbar Klebstoff, eventuell Loctide (?), einge-
 setzt, wobei davon etwas auf einigenen Zahngründen verblieben ist. Diese Rückstände waren jedoch
 nicht die Ursache, dass sich die Räder nicht durchdrehen liessen.

 Die Ursache, dass die teils losen Räder keine Umdrehung zuließen lag also nicht im Schmutz in den
 Zahngründen, sondern daran, dass sich die Abstände der Achsen zueinander verändert, vergrößert
 hatten, sodass eine Drehung der gekuppelten Räder "über den Totpunkt" nicht mehr möglich war. Die
 Schubstangen wurden "zu kurz" und  es mussten die an den Eden befindlichen Bohrungen aufgefeilt
 also "verlängert", werden. Danach war wieder das Durchdrehen der Räder möglich.
 Nun hatte der nemühte Bekannte zumindest Einseitig die Räder entfernt, was deren Aufklebung und
 Neupositionierung im Winkel von 90° zur anderen Seite, erforderlich machte. Auch auf der anderen
 Seite mussten die Bohrungen ausgefeilt werden.

 Es scheint so zu sein, dass offenbar schon früher mal an der vordersten Achse und an der nachfolgen-
 den Zwischeradachse Mesingbuchsen mit exzentrischen Achsbohrungen eingesetzt worden sein
 dürften. Sie dienten dazu, den Abstand der ersten zur mittleren Antriebsachse damit ausgleichen zu
 können. Es ist auch zu vermuten, dass auch schon damals der Werkstoff des Gussfahrgestells "lebte",
 was zur Veränderung des Achsabstandes geführt hat.
 
 Das Fahrgestell mit den neu eingestellen Radstellungen wurde anfänglich am Testgleis von einer Lok
 geschoben, um zu sehen, ob alles funktioniert. Die Achsen wurden einseitig gering mit Öl versehen,
 'wodurch die Achsen scheinbar leichter drehten.
 Doch Öl ist leider schädlich, da es die Klebung mit Loctide auflösen kann!  Und so kam es auch, ob-
 wohl wirklich wenig Öl aufgebracht worden ist. Somit war eine neuerliche Zerlegung erforderlich, bei
 der die Räder und Achsen auf der schadhaften Seite mit Nitroverdünnung entfettet werden  mussten.
 Das ist für die Klebung mit UHU PLUS notwendig. - Diese neue Klebung sollte jedoch selten von ge-
 ringsten Mengen von Öl, besser kleinen WD 40 Tropfen, angegriffren werden (nur mit Injektionsnadel
 auftropfen).

 Beim Aufsetzen des Motors zeigte sich ein weiterer Grund, weswegen sich die Lok vermutlich beim
 letzten Fahrversuch nicht mehr bewegte. Offenbar ergab sich auch am Fahrgestell eine leichte Material-
 veränderung, sodass das Getriebezahnrad in das die Motorschnecke eingreift, am Ankerlager anlag
 und die Drehung dadurch verhindert wurde. Daher musste am vorderen Ankerachsenlagerteil ein wenig
 Material abgetragen werden. Jetzt drehen sich die Räder wieder.

 Offen war zu dem Zeitpunkt noch, wie von den Rädern der Strom zum Motor fließt. Mit dem inzwischen
 eingelangten Lokgehäuse konnte zuerst die Position und Befestigungsmethode des Zylinderblocks
 eruiert werden. Der Zylinderblock wird mit dem Festschrauben des Gehäuses mit der Schraube vorne
 geklemmt. Interessant war auch festzustellen, dass eine weitere Befestigung des Gehäuses mit einer
 Schraube im Dach des Fahrerstandes vorgesehen ist, doch fehlt seltsamer Weise im Motor das zuge-
 hörige M3-Gewinde. Es wurde eines neu  geschnitten, wobei der Motor ausgebaut und zerlegt werden
 musste.

 Da endlich alle Lok-Teile beisammen waren, wurde klar, dass nur ein Radschleifer verbaut ist. Bei der
 Durchmessung des Stromverlaufes ergab sich, dass die rechte Radseite Masse auf das Fahrgestell
 und zum dort befstigten Motor überträgt und der Schleifer gegenüberliegend auf der isolierten Räder-
 seite montiert werden muss. Er passt dort genau hin und eine kurze Drahtverbindung zum Anschluss an
 die oben liegende Schleifkohlenführung machte die Lok fahrfähig.
 
 Als Funktionskontrolle wurde nach dem Zusammenbau ein längerer Fahrbetrieb durchgeführt, bei dem
 provisorisch der Zylinderblock mit einer Kluppe befestigt wurde. Anfänglich und erfreulich lief die Lok
 einige Runden doch in Gegenrichtung ergab sich nach kurzer Zeit ein Stopp. Den Motor abgebaut und
 Fahrwerk auf Leichtgängigkeit geprüft, doch war kein störender Grund zu finden.

 Die Kontrolle des Zahneingriffs der Motorwelle zeigte, dass es beim Zahnrad mit den Windungen der
 Schneckenwelle zu einem Konflikt kam. Das Zahnspiel passte nicht. - Durch Unterlegen am Motorende
 wurde versucht, das Zahnspiel zu verringern, um die Konfliktsituation zu entschärfen. Doch wiederum
 kam es zu Störungen bei der Vorwärtsfahrt, da nach dem Unterlegen an anderer Stelle das Spiel jetzt
 zu klein war und der Motor dadurch gebremst wurde. Schließlich wurde der Motor vorne unterlegt, was
 zu einem guten  Lauf des Motors und der Lok führte. Allerdings kam es bei den ausgedehnten Probe-
 fahrten zum gelegentlichem Stoppen der Vorwärtsfahrt. Die Nachschau ergab, dass die Schibstangen-
 schraube am linken vorderen Rad gelegentlich mit dermzu nahe liegenden Steuerungsgestänge kolli-
 dierte. Nach ein wenig Korrektur der Position ist auch dieses Problem gelöst worden und die Lok läuft
 wieder.
 Einzig störend ist, dass die Lok in Vorwärtsfahrt langsamer unterwegs ist als ber Retourfahrt. Dieser
 Umstand kann mit der Eingriffsituation der Schnecke mit dem Schneckenrad zusammenhängen, doch
 führte auch eine geringe Schrägstellung des Motors in beiden Richtungen zu keiner Besserung.

 Im Bezug auf die leider besonders in Kurven wackelige Fahrt, fällt auf, dass bei der langsamer Fahrt
 das Wackeln nicht sehr ins Gewicht fällt, bei Rückwärtsfahrt jedoch schon noch.
 Die Ursache des Wackelns ist auf die Abnahme der Räder durch den Bekannten des Besitzers zu se-
 hen,  denn die 60 Jahre alten Kunststoffbuchsen, mit denen die Räder auf den Achsen sitzen, waren
 brüchig geworden, was beim wieder Aufpressen zu losem und nicht mehr zentrischen Sitz führte. Den
 Sitz der Räder kann man nicht durch Druck auf das Rad verbessern, da die Gefahr besteht, dass wieder
 ein Rad bricht.
 Weiters ergibt sich das nicht immer geschmeidige Laufverhalten als Folge der Ausarbeitiung der Achs-
 lager infolge der, durch die Veränderung des Achsabstandes bei gleichbleibender Länge der Schubstan-
 gen entstandene Achsspiel. D.h. die Achsen haben auch quer zu ihrer Fahrtrichtung Spiel. Offenbar
 wurden deswegen bereits einmal bei der vorderen Achse Messing Lagereinsätze eingebaut. Es ist nicht 
 anzunehmen, dass die Lok bei der Produktion derartausgestattet worden ist. Ein Tausch der Räder und
 Achsen würde daran nichts ändern, da der Fehler im Fahrgestell liegt.

 Wegen der in Rückwärtsfahrt flotteren Fahrt, wurde vorne an der Lok eine Kupplung montiert, an der
 Wagen angehängt werden können. In mehr als halbstündiger Fahrt hat die Lok eine an den heiklen Räder-
 stand angepasste Laufzeit bestanden. Es wird daher angenommen und gehofft, dass dieser Zustand
 weiterhin bestehen bleibt.

 Ich wünsche dem Besitzer keine Folgeschäden und viel Freude am guten alten Stück.

       
Motor provisorisch montiert   Provisorium Probe mit der Steuerung
Posit6ion des Zylinderblocks Gehäuse provisorisch aufgesetzt Vorderansicht                                      Video Fahrtest
nun läuft sie wieder BR 24 046 = Kleinbahn D 110