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Grumman's "-Cat-Familie"
hat Weltruhm. Von der Hellcat, Tigercat, ... bis zur
Bearcat hatten die Maschinen sehr gute Flugleistungen
aufzuweisen und, wenn es wirklich wahr ist, soll die
Bearcat 1944 das schnellste Propellerflugzeug (785km/h)
gewesen sein. Die Formgebung der Grumman-Fighter wirkt gedrungen und der bullige, nahezu riesige
Rumpf beinhaltete starke Sternmotoren. - Alles zusammen also eine Herausforderung für Modellflieger, so
ein Modell nachzu- bauen und zu fliegen.
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BAUBERICHT ARF-Modellbausatz Bearcat F8F
(Planet Hobby) |
Video vom
Erstflug |
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Das fertig gebaute Modell der
Bearcat hat 1,86m Spannweite, 46,5cm Flügelwurzeltiefe,
und ein Fluggewicht von 7,8kg. Der Bausatz ist sehr komplett und gut verarbeitet.
Heikel ist die Hochglanzlackierung, die die Bau- arbeit
gegenüber einem Holzbau natürlich erheblich erschwert,
denn man möchte schließlich zum Erstflug mit einem neuen
und nicht zerkratzten Modell gehen. Einzig das
zusätzlich mitbestellte angebotene Fahrwerk ist weniger
brauchbar. Einzig die Federbeine habe ich letztlich
verwendet, aber das folgt später.
Begonnen habe ich
nicht wie in der Bauanleitung vorgeschrieben, sondern mit
dem Rumpf und speziell mit dem Einbau des doch eher unkonventionellen
Hirtenberger HP 20ccm-Inline-Twin-Motors. Wenn ein 20
ccm Viertakter das massige Modell schafft (?) dann muss
eis ein 2x10ccm Zweitakter es allemal schaffen.
Der Motorspant weist einen erkennbaren Motorsturz auf, den
Seitenzug konnte ich nicht erkennen sodass ich, meinem
Gefühl folgend, etwas nachbesserte.
Meist verlangen ja starke Motoren mehr Seitenzug.
Wegen der
großen Motorhaube (Durchmesser mehr als 23 cm) passt der Motor samt dem Auspuff
(siehe Bilder unten) problemlos unter die Haube. Darüber hinaus
ist er groß und somit in der
Lage, dem vorherseh- baren Schwerpunktsproblem wegen des
schweren Hecks entgegen zu wirken.
Diese Motorwahl unter einer geschlossenen Haube
in die keine Öffnungen hineinkommen sollen, bedingt eine elektronische Glühung, sowie einen
Vergaser mit Düsennadelverstellung. Von HP gab es so
einen Ver- gaser meines Wissens nie und den originalen
Vergaser wollte ich nicht umbauen. Daher griff ich auf
einen Webra Dynamix Vergaser zurück für den ich auch
eine Düsennadel-Verstelleinrichtung hatte und den ich im
Ansaugdurchmesser auf das Maß des original HP-Durchlass aufgebohrt habe.
Die Aufgabe für diesen Motor einen geeigneten und passenden Schalldämpfer zu
bekommen ist praktisch unmöglich, Selbstbau war also gefordert. Doch wie? Nun fand ich in meiner
alten Nitroverdünnungsdose einen größenmäßig passenden Topf.
In den Topf konnte ich die seltsamen Krümmer Namens
"Freya" einmün- den lassen. Zwei Auslassstutzen sollen zu
den an das Original angepassten Stutzen an den Rumpfseiten füh- ren. Die Idee habe ich aber fallen
gelassen, da ansonsten die Modelloberseite nach jedem
Flug sehr verölt sein würde.
Daher wird der Auspuff
schließlich doch nach unten ausblasen. Ein Testlauf mit
dem Schalldämpfer brachte anfangs einen dumpfen aber blechernen
Klang zutage. Verschließt man die beiden Auslassöffnungen ist der
Lärm deutlich geringer und der blecherne Klang ist weg. Ein wenig Stahlwolle hilft noch mehr den Lärm zu
dämpfen.
Video vom
Testlauf.
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Der geräumige Rumpf bietet Platz für den im Bausatz
beinhalteten 550 ccm Tank
und reichlich Servos. Für das Höhenruder sind zwei Servos erforderlich. Mit einem Servoumpoler muss die
Drehrichtung des einen am V-Kabel hängenden Servos
bewerkstelligt werden.
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Schließlich
wurden die inzwischen bereits mit den Servos bestückten
Tragflächenhälften zusammengeklebt und das Fahrwerk
eingebaut. Damit Luftverluste minimiert werden wurde die
Presslufteinheit anders als vorgesehen, anstelle im
Rumpf, direkt an der Unterseite des riesigen Flügels
montiert. Dies lässt mehr Platz und Ordnung im Rumpf zu.
Die an der Flügelunterseite abnehmbar befestigte Flügelabdeckung verhindert den
Blick auf die
Pressluftanlage erlaubt aber beste Zugänglichkeit für
die Wartung.
Da sich rasch zeigte, dass das als Zubehör angebotene
Fahrwerk (Set-Bild unten li) nicht den Erfordernissen entspricht, musste ich
mir ein anderes kaufen. Ursache für die fehlerhafte
Funktion ist die Materialqualität der Nocken, die beim
mit Druck ausfahrenden Fahr- werk vehement auf das Fahrwerksgehäuse andonnern. Schlimmer noch ist aber, dass
es viel zu wenig Kraft hat die schweren Räder
hochzuziehen. Das schwer bezieht sich auf die
Funktion des Fahrwerks, denn das schaffte es gerade noch es
einmal einzuziehen. Es arbeitete trotz vieler Tricks nicht optimal und nicht
unter 8 bar Luftdruck! Also ein neues 9 kg-Fahrwerk musste
herbei, eines von Eurokit (Set-Bild unten re), welches
mit Federkraft ausfährt
und sicher verriegelt. Doch auch diesem Fahrwerk waren die
Scaleräder an den 26cm langen Federbeinen (!) zu schwer,
sodass die im Bausatz
beinhalteten Moosgummiräder zur Anwendung kamen. Aber die
Verriegelung beim Einziehvorgang klappt nach dem vierten Einziehvorgang
nicht mehr, da zu wenig Kraft da ist, das Rad in die
knappe Radmulde einzuziehen. Daher musste der Boden der
Mulden- boden ausgeschnitten werden. - In der Bauendphase
und nach dem Erstflug werde ich mich wohl nochmals mit
diesem Problem beschäftigen müssen.
Als nächste Entscheidung einigte ich mich mit mir, dass
ich doch ein Heckeinziehfahrwerk einbaue. Vielleicht auch aus dem Grund, dass ich dann doch als
Gewichtsausgleich einen 5 Zylinder Sternmotor beschaffen
müsste!
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Apropos Schwerpunkt: Sieht man im Internet in die
Bauanleitung des Modells ein, ist er mit 140mm
eingetra- gen; in der dem Bausatz beiliegenden Anleitung
liegt er bei 100mm. - Was also jetzt? - Das
Internetforum mit seinen fast 50 Seiten sagt, dass
einige mit den 140mm sehr zufrieden sind und nur wenig
Blei dazugegeben haben. Ich schließe daraus, dass für
mich der
Schwerpunkt auf 130mm verrutscht. - Die 100mm sind
schier unerreichbar und ich bin gespannt wie
ich die 130mm schaffen werde?
Heute weis ich es schon, bei 130mm müssen alle Akkus
unmittelbar hinter den Motorspant und dann wär's schön
wen der Schwerpunkt dann auch passt. Auch das weis ich
heute, es genügt nicht, der Motor ist zu leicht um
zumindest die laut Forenberichten
auch funktionierenden 130mm zusammen zu bringen.
Also ich musste nicht lange nachdenken
und entschloss ich mich dazu, den Powertwin auszubauen
und statt- dessen meinen alten OS FT Gemini 240
(40ccm-Viertakt-Boxer) einzubauen. Dessen Gewicht mit
dem Auspuff beträgt 2075 Gramm. Durch den Umstand,
dass der Motorschwerpunkt weiter vorn liegt als beim HP 120 Twin, könnte ich sogar mit dem Schwerpunkt besser
zurecht kommen. Die Leistung des Motors und die
Zuverlässigkeit ist aus früheren
Erfahrungen bekannt und zufriedenstellend. - Allerdings
werden die Ventildeckel knapp aus der Motorhaube
herausragen,.... aber damit werde ich leben müssen.
Jetzt geht das Einbauroulette wieder los! .... wie mache
ich es, dass der Propellerflansch tatsächlich in der
Mitte der Motorhaube liegt? Na mit viel Geduld und
mehrfachen Probebefestigungen war dann der richtige
Punkt erreicht. Erschwerend die beiden Ventildeckel die doch etwas aus der Motorhaube herausreichen und
vor der
Einrichtung des Motors die Öffnungen an der richtigen
Stelle ausgeschnitten werden müssen. - Eine Tortur von
der ich lieber nicht berichten möchte; - vonwegen an der
richtigen Stelle?
Mit Geduld und Spucke schafft man bekanntlich ja alles,
..... ausgenommen einige kleine grüne Männchen spielen
nicht mit.
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Video
vom Testlauf FT 240 |
Video
vom ersten Testlauf FT 300 mit Master Airscrew 16x10. |
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Der eingebaute 40 ccm OS Boxer mit einer
Microsens GLOW 4B Glühautomatik ausgestattet ist ein
Gedicht. Durch den höher liegenden Tank braucht es nicht
viel gesauge und der Motor beginnt zu zünden. Super,
empfehlenswert und keinen Kabelsalat. Die Motordaten noch: Also Standgas (geglüht) geht noch
mit ca. 1500U/Min, aber da bewegt sich dann schon der
Rumpf im Takt mit und bei Vollgas waren 9000U/Min die
Grenzdrehzahl des Motors. Der Propeller war ein 3 Blatt Sonic
Sport 16x10 von Graupner. Damit erreicht der Motor am
Boden die vom Hersteller angegebene Höchstdrehzahl, was
auf Dauer nicht empfehlenswert ist. Da ich für den Erstflug keinen anderen Prop auftreiben konnte ging es
auch mit der 3B-18x10 auf die Piste.
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Beginn mit
rollen zum Start |
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Zum Fliegen selbst kann ich als Semiprofi nur sagen, dass
man Gas beim Start nur maximal halb gibt und das so
lange, bis
man bemerkt das Seitenruder funktioniert und steuert das
Modell geradeaus. Mit Vollgas und instinktiv leicht
gezogenem Höhenruder hebt die Maschine dann ab. Mit den vom
Hersteller angegebenen Ausschlägen finde ich beim
Erstflug vollkommen das Auslangen. Anfügen möchte ich
hier, dass ich aber mit 30% Expo am Querruder und 20% am
Höhenruder geflogen bin. - Die Motorleistung
des 50ccm Boxers passt, wenn's mehr wär's bei dem Flieger auch kein Problem.
Eines dürfte aber bis zum nächsten Flug not- wendig sein,
mit den Propellergrößen zu experimentieren.-
3B-Blatt 16x12 und /oder besser 3B-18x10, und sonst gibt's in der Art nicht
mehr viel Auswahl. Ich denke da lassen sich dann noch bessere
Zugwerte erzielen.
Der Schwerpunkt hat sich endgültig bei 120mm
eingependelt und kann so bleiben. Interessant ist, dass
die etwas nach vorn stehenden ausgefahrenen
Fahrwerksbeine Einfluss auf den Schwerpunkt nehmen. In
einge- fahrenem Zustand muss man etwas umtrimmen - aber harmlos. -
Das schon Eingangs erwähnte Misstrauen in das
Fahrwerk bewahrheitete sich auch prompt beim Erstflug.
Ein Federbein wollte partout nicht einziehen, auch nicht
im Rückenflug. Die Ursache war der zu kleine
Druckbehälter. Ich habe einen zweiten parallel dazu
installiert und nun lässt sich das Fahrwerk im
"Laborversuch" mindestens 4 Mal anstandslos einziehen
und es verriegelt auch in eingezogenem Zustand. Unklar
ist noch, ob die Kraft die durch die Schrägstellung der
Fahrwerksabdeckungen den Einziehvorgang aerodynamisch noch
immer erschweren, oder ob die nun höhere Luftmenge und
ein auf gut 8bar! (nach meiner Luftuhr am Kompressor???)
erhöhter Systemdruck das Problem wird lösen können.
Das Modell fliegt so wie Halbprofis das lieben. So lange
es nach normalem Empfinden langsam aber noch schnell genug ist sind ausreichend Reserven eingebaut, die das Abkippen
verhindern. - Man möchte es nicht glauben, das Ding
fliegt problemlos und die ohne Gegenwind von mir
durchgeführte Dreipunktlandung spricht auch für das
Modell. Mit ausgefahrenen Klappen wird sich die Landegeschwindigkeit zu dem auch
noch etwas verringen
lassen, was ja auch kein Fehler ist.
Zusammengefasst ist das Modell sehr empfehlenswert. Es
ist ein wirklicher Brummer und kein "Spielzeug- Modell"
mehr. Das zeigt sich vor allem bei dem Kostenaufwand der
neben den günstigen Baukastenkosten zutage tritt. Der Bausatz kostet 299.-, das originale
Einziehfahrwerk dazu 140.- (nicht kaufen, unnötige Aus- gabe), ein
brauchbares Fahrwerk dazu von Eurokit mindestens 140.-, die
Glühelektronik 65.-, die Akkus für Empfänger (3600mAh)
und Glühung (2400mAh) rund 70.-, ein DS-Empfänger 150.-,
6 preiswerte Servos insgesamt und ein gebrauchter OS
50ccm Boxer um 400.-......, die Summe rechne ich besser nicht aus.
Als Fan von Verbrenner-Modellen musste ich auf einen
Mehrzylinder und dann eben auf einen Viertakter abzielen
und dann auf zumindest einen Boxer von ca. 50 ccm (4 PS
/ 9000). Ich kann mir nicht vorstellen, wie das Modell
mit einem 120er Viertakter fliegen kann und mit dem
originalen Bausatzfahrwerk!?! -
Zugegeben, der Boxerklang ist schon ein Fortschritt in
die richtige Richtung, aber eine zweite Bearcat würde
ich NUR mit einem 5-Zylinder-Sternmotor (OS Sirius mit
50cccm oder Saito, ein Magnum oder PH FS 400 ist größer
und muss die Motoerhaube ausgeschnitten werden) bauen. Da würde
dann alles hervorragend zusammenpassen, insbesondere der
Sound. Doch das alles
muss man erst einmal berappen können.....! - und Spaß
macht meine nicht gerade "Billiglösung" auch.
Freue mich, wenn ich mit meinem Bericht
jemand Gusto auf das Modell machen konnte.
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