Zu
meinen sehnlichsten Wünschen zählte ein Versuch in
alpinem Geleände mit meinen größeren Seglern einmal zu
fliegen. Vergleichbar dazu ist der Wunsch der Porschianer,
einmal in Le Mans auf der Rennstrecke mit dem eigenen Auto einige flotte Runden gefahren zu sein.
Nicht immer lassen sich solche Wuünsche um- setzen. Doch
im Juni 2017 startete ich wieder einen Versuch, meinen 4,5m spannenden
Carrera Mistral, Bjhr 1979, in die alpine Luft
zu bekommen.
Dieses Modell ist auf den heimischen Hängen
nur sehr selten einsetzbar ist, da meist die notwendige
Start- aufwindstärke fehlt. Der Mistral war
zwar früher im Huckepack und in jüngerer Zeit mit
Seilschlepp mehrmals in der Luft, jedoch die Hangflüge
am Michel- und Tradenberg sind bald 30 Jaher her, aber
in guter schöner Erinnerung. Dagegen ist der Flug solcher Segler mit alpinem Hintergrund
natürlich ein Genuss der besonde- ren Art. Da ich mit meinem
Klubkollegen Peter schon auf der Gerlitzen
erfolglos mein Flugglück mit dem Mistral versucht hatte,
hörte ich auf ihn und fuhr mit ihm zum Hotel Glocknerhof
nach Kärnten, in der Hoffnung, dass es diesmal klappen
würde. Das Hotel besitzt einen eigenen tollen
Modellflugplatz und einen eigenen Modellflughang
in 1300m Seehöhe. Das genügte mir und ich entschloss mich mit Freude, dort neuerlich mein
Glück mit
dem MIstral zu versuchen. Vorweg gesagt, daraus wurde
mangels ausreichend starkem Hangwind wieder nichts.
Da ich natürlich
nicht davon ausgegangen bin, dass immer ein ideales
Hangflugwetter bestehen wird, packte ich noch weitere Modelle ein. Die elektrisch
angetriebene DG 300 mit 3,6m wäre noch eine
Alterna- tive für diesen Hotelhang am Rottenstein gewesen,
falls
die Aufwindverhältnisse nicht sooo optimal für den Mistral sein sollten. Daneben galt es den neu gebauten
Fiesta optimal einzufliegen, um damit auch am hohen Hang fliegen zu können. Und um sicher zu gehen,
dass ich keines der genannten Modelle unsicheren
Situa- tionen aussetze, hatte ich meinen "Hang-Testflieger",
den uralten "Föhn" (O. Czepa) mit E-Antrieb mit. Und für die Fälle
dass es richtig gut bläst, nahm ich noch den
auch schon alten "Alpenflitzer" (O. Czepa) mit, der zum Bolzen dann wohl richtig sein würde.
Aber es kam alles
anders. Am ersten Flugtag wurde der Fiesta
zusammengebaut. Mangesl meines in Ge- sprächen
vertieften Kollegen, half mir ein schweizerischer
Hubipilot beim Start des Seglers. Da ich ihm vor- her erzählt hatte, dass der Segler beim Start nach
unten zieht, wollte er es gut machen und warf ihn steil
nach oben. Das Ergebnis war, dass der nicht
übermotorisierte Segler in der Höhe von etwa 10m
senkrecht in der Luft stehen bleiben wollte.
Also dachte ich, da ich ihn durch Drücken nicht in die
richtige Fluglage bringen konnte, es mit
raschem Ziehen zu versuchen, sodass sich vielleicht ein
Looping knapp über dem Boden ausgeht. Kurz gesagt,
es ging sich nicht aus. Der Segler steckte mit dem Motor
im weichen Boden und plumste dann als Ganzes auf den Rasen. Mein Schweizer war verdutzt und
entschuldigte sich tausendmal und wollte mir 100 Euro als Schmerzensgeld
geben. Ich nahm das Geld natürlich nicht und
versuchte ihm klar zu ,machen, dass es eben ein Pech war, dass es so gekommen ist und dass er sich
keine Vorwürfe machen soll. Er bruhigte sich erst nach einigen
Stunden wieder.
Nach dem
Zusammenräumen der Trümmer und deren Verstauung holte
ich dann den Föhn hervor. Bei dem
einfachen und anspruchslosen Modell konnte ich wieder
Selsbtvertrauen gewinnen, dachte ich. Doch es kam
wieder mal anders. - Das zum Transport abgenommene
Höhenruder musste wieder angeschraubt werden. Dann
konnten dieTragflächen mit den Gummiringen am Rumpf
besestigt und der Akku eingescho- ben werden. Ein
Rudertest zeigte, dass sich das Seitenruder bewegt, also
ist ja alles OK. Diesmal konnte mir Peter den
Segler starten. Doch auch dieser Start verlief desaströs
und gleich ablaufend wie Start Nr 1. Jetzt wurde mir mein Missgeschick schon richtig unangenehm. In etlichen Jahren mit meiner
Krankheit stürz- te kein Segler und Motorflieger ab, aber
jetzt gleich zwei hintereinander. Der den Absturz
auslösende Fehler war rasch gefunden: Das Höhenruder war nicht angelenkt! So ist
natürlich kein guter Flug möglich. - Die Schäden
an dem einfachen Modell waren gering und in einer Stunde
wäre das Modell einsatzbereit gewe- sen. Ich beschloss
aber, auf weitere Flüge zu verzichten, um demnächst
den Föhn am Rottensteinhang als Testflieger benützen zu
können.
Nach diesen Ereignissen war für diesen Tag mein
Flughunger gestillt und Zusehen angesagt. Es waren ja 7
Schweizer mit tollen Großseglern, einer
Schleppmaschine und diversen anderen Seglern und
Flugmodellen da, die ihre Zeit für viele Starts
nützten. Auch Kollege Peter nütze die Gunst der Stunde
und stellte seinen "Heron" zum 88-zigsten Mal
auf seine neue MC 28 ein. Dann flog er auch und alles
war OK.
Am nächsten Tag war Schönwetter
angesagt. Vormittags am Flugplatz zuschauen und Peter
fliegen lassen. Nachmittags dann der Weg hinauf
auf den Rottenstein, denn Thermik kommt dort
erfahrungsgemäß erst am Nachmittag zum Tragen. Die Situation war
dort so, dass man an einer schmalen Straße mit kaum Verkehr das
Modell startet. Der Hang hat
eine Neigung von gut 45 Grad und eine schier
unendliche Längenerstrek- kung nach unten. Also
alles krass mehr, als wir es von unserer Gegend gewöhnt
sind.
Dort angekommen kam der Föhn sofort zum
EInsatz. Mit einem kurzen Motorlauf warf ich das Modell
hinaus. Doch der eigentlich sich schwach
anfühlende Hangwind hob ihn rasch hinauf. Ich flog also
dann nach draußen ins Tal hinaus. Und wie in
den Videos anderer zu erkennen, stieg der alte Föhn noch
viel rascher nach oben- siert werden konnte; der Flieger flog
mit dieser Trimmung natürlich
dann ganz schön flott horizontal hinundher.
Nun
konnte ich das Gelände abfliegen um herauszufinden, wo
es trägt und wo nicht. Schließlich war mir das alsbald zu wenig
Flugspaß und ich versuchte mit dem eigentlich nicht
kunstflugtauglichen Föhn vorsichtig einige Loopings
zu fliegen. Weil das gut ging, folgte ein Rückenflug, der aber sich
mit dem Tiefenruder nicht ganz realisieren ließ
und Sinken in Rückenfluglage angesagt war, da nicht mehr Tiefenruder
möglich war. Um nicht viel zu experimentieren dachte
ich es wäre das Beste, das Höhenruder in Neutralstellung zu
bringen. Das würde den Flieger in einem halben
Abwärtslooping wohl wieder in Normalfluglage
bringen können. Das war ein Trugschluss! Zwar ging der
Segler in den Abwärtsflug über, doch flachte
er nicht ab, wie ich erhoffte. Also begann ich
vorsichtigst zu Ziehen, - doch schon das Bisschen war
zu viel. Ein Krach und eine Fläche war gebrochen und
flatterte in die Weite der Gegend davon. Der Vorfall war ja hoch über dem Hang und weit
draußen, sodass der
Rest-Föhn geradlinig nach unten sausen konnte. Den kann
ich also abschreiben, war mein Gedanke, denn
den Rumpf oder die Fläche finde ich im weiten Gelände nie und
nimmer. - Geirrt, wie sich später herausstellte, denn den Rumpf mit noch aufgeschnallter
Fläche und dem HLW fand ich bei der Heimfahrt
unweit neben einer Kehre im Gras liegend wieder.
Nach
dem Föhn-Desaster war der thermische Hangwind weniger
geworden. Um es mir zu beweisen, dass ich dort am Hang
doch noch fliegen kann, holte ich den motorlosen
"Alpenflitzer" aus dem Auto. Der Start erfolgte oberhalb der ersten Startstelle, denn da konnte ich
meine erste "Gegen-den-Hang-Landung" besser überschauen. Ich flog also mit dem Flitzer,
der auch leicht stieg, in Richtung Tal hinaus.
Allerdings war der Höhengewinn marginal, sodass
ich zuwartete, bevor ich begann Kunstflugfiguren zu
fliegen. Auch Anstechen und flotte Kehrtkurven gingen
nicht. Nach drei Minuten schwächte der Wind noch mehr ab
und ich entschloss mich, noch auf Augenhöhe
fliegend, den Flieger zu landen. Die Landung gegen den
Hang erfolte aus meiner Sicht im Querabflug. Somit
konnte der schnelle Anflug mit dem Wind gefühlvoll durch
Ziehgen abgebremst werden und das Modell schön
im Gras aufgesetzt werden. - Bedingt durch die starke
Sonneneinstarhlung wurde mir mit den langen Hemdärmeln
und der Jeanshose schon sehr heiß, sodass ich den
Flugtag am Hang abbrach. Freund Peter hatte
(sicherheitshalber?) kein Modell mitgenommen und nahm einige Flug- phasen auf
Video auf.
Der Rest der Tage verlief an
das Wetter angepasst. Mal zog es zu, donnerte und
regnete es ein wenig, dann gab es wieder
strahlenden Sonnenschein von der "stechenden" Art. Also
das alles für mich ein Grund, die Seele baumeln
zu lassen und nicht mit der noch einsatzbereiten DG
300-E zu fliegen. Der Zusammenbau ist zwar nicht
sooo aufwendig, aber bedeutet doch "Arbeit" nach der mir
aber nicht war. Das Zusehen war ein Genuss! Freund
Peter, auch nicht einer der ständig fliegen MUSS, weil
wir auf einem Flubgplatz sind, genoss ebenfalls die
gute Luft. Er hatte zu seinem Pech einen Gichtanfall im
linken Knöchelbereich bekommen, wo liegen eine Verbesserung
bringt. Die am Flugplatz befindlichen guten Liegen
leisteten ihm da einen guten Dienst. Meist flog er
zumindest einmal am Tag mit seinem Heron.
Am
vorletzten Tag kamen 6 oder 7 Innviertler mit ihren
Hotlinern an. Da gab es dann wieder etwas Neues zu sehen
und das Zuschauen machte dann wieder mehr Spaß, weil der
Schmäh lief.
Zusammengefasst
denke ich, dass mein Urlaub weniger dem Modellfliegen
gewidmet war, sondern der Erholung. Für
Motormodelle meiner Wahl wäre der Flugplatz ideal. Für
meine alten Segeler war es keine neue
Erkenntnis, denn so einen ähnlichen Modellflugplatz habe
ich auch daheim. Leider braucht es für den alpinen
Modellsegelflug andere Aufwindverhältnisse, die am
Rottenstein aber selten vorkommen. Es war schön und
ich werde vermutlich wieder einmal dorthin fahren, nur
lasse ich dann Großsegler daheim.
|